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Von Kalorien- und Sexbomben

21. April 2012

Sex wird überschätzt. Wenn Sie nach dem Lesen dieses Satzes zu denen gehören, die seufzend zu dem Menschen schielen, der gerade das Frühstück mit Ihnen teilt, wissen Sie: ein Körnchen Wahrheit steckt bestimmt drin.
Beweis für diese These ist eine Studie aus den USA, auf die mich dieser Tage eine Leserin aufmerksam gemacht hat: Angeblich führen dort viele Männer mit ihrer Harley-Davidson eine ähnlich intime Beziehung wie mit einer Frau. Diese Männer unterschrieben zum Beispiel Sätze wie: „Ich würde lieber auf mein Bike verzichten, als es in Schwierigkeiten zu bringen.“ Oder: „Es macht mich glücklich, das Wohlergehen meines Bikes vor mein eigenes zu stellen.“
Dagegen kann man einwenden, dass Männer, die sich ein solches Traum-Motorrad leisten können, häufig ein Alter erreicht haben, in dem der Sex – nun ja – nicht mehr unbedingt Priorität genießt.Das ist so ähnlich wie der Spruch: „Spielen Sie schon Golf oder haben Sie noch Sex?“ Der Schauspieler Sky DuMont („Der Schuh des Manitou“) hat in einem Interview einmal formuliert: „Sex ist nach dem Höhepunkt schnell vorbei, einer dreht sich um oder raucht. Männer schlafen danach oft ein, Frauen sind dann unglücklich.“ Und : „Sex kann eine gewisse Leere hinterlassen.“ Der Mann ist mit einer 31 Jahre jüngeren Frau verheiratet. Mit dem einstigen Playboy-Modell hat er immerhin zwei Kinder.
Frauen sind nicht nur beim Liebesspiel unglücklich, auch das Thema Essen löst bei ihnen Sehnsucht aus – Kalorienbombe oder Sexbombe? Wenn Sie von „Sünde“ sprechen, denken sie eher an Praline als an Phallus. Es heißt ja, Liebe gehe durch den Magen. Wie viele Kalorien beziehungsweise wie viel Sex braucht man also, um glücklich zu sein? Da sind sich ausnahmsweise Frauen und Männer einig: Alle bekommen zu wenig davon.
Dieses „zu wenig“ rührt daher, dass kaum jemand ehrlich ist beim Reden über Sex: Alle Umfragen zu dem Thema strotzen vor Lügen. Eine hohe Koitus-Häufigkeit gilt eher als Zeichen für Lebensqualität als Enthaltsamkeit.

Wer seine Leidenschaften über gut gefüllten Tellern auslebt, dürfte schon rein körperlich Schwierigkeiten bekommen, das Kamasutra rauf und runter zu turnen. Dieses altindische Buch wird heutzutage meist auf eine Anleitung zu schlüpfriger Akrobatik reduziert. Wer sich die Mühe macht, es aufmerksam zu lesen, wird feststellen: Es geht zwar auch um die leidenschaftliche Begegnung Liebender, aber mindestens ebenso wichtig waren im Ursprugstext Ratschläge zu Lebenskunst und einem ethischen Umgang miteinander. Womit endgültig klar sein dürfte: Sex wird überschätzt.

 

Kolumne Lebens-Art im Sonntag in Franken, Ausgabe vom 22. April 2012

www.sonntag-in-franken.de

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