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Stress, was ist das eigentlich?

28. Mai 2012

Zu den Binsenweisheiten moderner Arbeitspsychologie gehört die Unterscheidung zwischen schädlichem Di-Stress und positiv wirkendem Eu-Stress. Aber was ist Stress tatsächlich?

Aus diversen Untersuchungen zum Thema wissen wir, dass Arbeitsplatz, Termindruck und familiäre Probleme unter den Stressfaktoren ganz oben rangieren. Was bei solchen Studien häufig untergeht, ist folgende Erkenntnis: Es gibt nichts, das – für sich betrachtet – Stress auslöst.

Stress entsteht immer erst durch die subjektive Bewertung der Umstände in unserem Kopf. Ein zusätzlicher Auftrag im ohnehin überquellenden Eingangskorb kann genausogut als neue Belastung gesehen werden wie als weitere Chance. Auch auf Naturkatastrophen oder familiäre Probleme reagieren Menschen unterschiedlich. Diese Erkenntnis alleine schafft uns leider den Stress nicht vom Hals. Denn die Motive, wie und warum wir etwas als stressig bewerten, sind tief in unserer Psyche verwurzelt. Verhindern lässt es sich nicht, dass wir uns ärgern, wenn ein unzuverlässiger Kollege unseren selbst gestellten Anspruch an „gute Arbeit“ nicht erfüllt.

Aber wir können an diesen Ansprüchen, diesen Soll-Werten unseres Charakters, arbeiten. Mediziner halten dies für den ersten Schritt einer wirkungsvollen Stresstherapie.

Im nächsten Schritt geht es um unser Selbstbild. Parallel zur inneren Bewertung einer Situation läuft stets ein zweites Programm ab: Wir analysieren unbewusst, ob wir uns der Herausforderung gewachsen fühlen. Ein „Das habe ich noch nie gekonnt“ wird den Stresslevel erhöhen, ein „Ich bin schon mit viel Schlimmerem fertig geworden“ wird erst einmal Dampf herausnehmen, selbst wenn die Umstände im ersten Augenblick bedrohlich wirken. Das ist auch der Grund, weshalb Optimismus und Selbstsicherheit die Basis von Gesundheit und Lebenslust bilden.

Die Wissenschaft hat dies als „salutogenetisches Modell“ bezeichnet. Es geht zurück auf den israelischen Mediziner Aaron Antonovsky. Er hat herausgefunden, dass ein knappes Drittel jüdischer Frauen, die die Konzentrationslager der Nazis überlebten, trotz der Quälereien keine Langzeitfolgen zeigten und später relativ gesund waren. Sein „salutogenetisches Modell“ besagt: Entscheidend dafür, wie jemand das Leben bewältigt, sind seine innere Einstellung, seine Charaktereigenschaften und wie er anderen begegnet. Wer auf sich selbst vertraut, sich und andere wertschätzt sowie Probleme als Herausforderung begreift, lebt nachweislich länger und gesünder.

 

Antonovskys Arbeit wird hier beschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

From → Arbeiten

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