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Leidenschaft und Zwangsjacke

9. November 2012

Viel zu selten nutzen wir die Gelegenheit, unsere Arbeit zu hinterfragen. Wenn’s dann mal soweit ist, wünscht man sich, man hätte nicht damit angefangen.

Neulich: Diskussion mit Redakteurskollegen über mehrere nicht so ganz gelungene Kommentare eines bestimmten Autors. Leider musste ich mangelnde Sachkenntnis und schlechte Grammatik bemängeln. Man lästert ja nicht gerade mit Begeisterung über Kollegen, mit denen man über 20 Jahre lang täglich am Schreibtisch saß. Klar ist, dass trotz jahrzehntelanger Routine Pannen passieren können. Gerade, weil die Leistungsverdichtung (schöner Euphemismus für Arbeitsdruck, gell?) enorm zugenommen hat, ist man anfälliger für Patzer. Es ist besonders peinlich, wenn man Buchstabendreher oder Satzzeichenfehler stehen lässt. Nur: Diese Fehler lassen sich mit dem drohenden Redaktionsschluss oder auch mit Flüchtigkeit entschuldigen.

Aber mangelhafte Grammatik, holprige Argumentation und unlogische Begründungen sind keine Flüchtigkeitsfehler. Richtig geschockt hat mich dann ein Kollege mit seiner Aussage: „Die Kommentare sind deshalb so schlecht, weil wir gezwungen sind, sie zu schreiben.“

Geht’s noch? Das ist jetzt zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen, dass langgediente Redakteurskollegen (aus unterschiedlichen Zeitungshäusern, das macht die Sache nicht besser!) vom Zwang zu schreiben sprechen. Ich habe immer ein Bedürfnis verspürt, mich schriftlich mitzuteilen, Menschen mit Worten zu porträtieren, Geschichten zu erzählen und mit Glossen zu provozieren. Sicher muss man in 30 Jahren auch mal Texte schreiben, an denen man nicht mit ganzem Herzen hängt. Aber selbst eine popelige Weihnachtsmarktankündigung möchte ich fehlerlos und in einwandfreiem Deutsch abliefern – so viel Ehrgeiz habe ich schon.

Und nun sprechen diese Kollegen von einem Zwang … begründen damit schlechte Arbeit … sorry, aber dafür fehlt mir jedes Verständnis.

From → Arbeiten

2 Kommentare
  1. Norbert Heimbeck permalink

    Genau darum geht es: In ihrem Selbstmitleid merken diese Kollegen gar nicht, welchen Schaden sie damit anrichten.

  2. Alex permalink

    Auch der kritische Leser merkt im ??brigen, ob schludrig kommentiert wurde.Und zwar sprachlich wie fachlich.

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