Zum Inhalt springen

Katzenberger und das Winterdorf – oder: Was darf in die Zeitung?

19. November 2012

Sollten Zeitungen über Daniela Katzenberger oder das Bayreuther Winterdorf berichten? Wenn ja, geben sie damit ihre Seriösität auf? Wenn nein, ignorieren sie durch diesen Verzicht nicht weite Teile ihrer Leserschaft?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell Leser Verschwörungstheorien bei der Hand haben, wenn sie zu ergründen versuchen, warum eine Zeitung über diesen oder jenen Mitmenschen, über dieses oder jenes Ereignis berichtet. Auch Typen, die mit dem „Dr.“ vor ihrem Namen signalisieren, dass sie denken können, verzichten bei diesem Thema schnell auf Logik.

Nehmen wir mal diese schrille Blondine aus der PR-Abteilung des Privatsenders Vox, Daniela Katzenberger. Sie ist ein typisches Produkt des irren Medientheaters. Niemand kannte sie, bis sie durch kesse Sprüche und eindrucksvolle Oberweite irgendeinem Fensehfuzzi auffiel. Und so kam eins zum andern, und schnell war sie ein sogenannter Promi – mit eigener Parfümserie, Sportklamotten und Ratgeberbüchlein.

Nicht ganz so weit weg: das Bayreuther Winterdorf. Auch bei diesem Thema spalten sich die Geister. Die einen lieben es, die anderen ignorieren es.

Soll nun eine Lokalzeitung (gerne auch: das Provinzblättla …) über diese Themen berichten oder nicht? Bei der Katzenberger bin ich nicht so sicher: Schließlich ist es die PR-Idee eines kleinen Fernsehsenders. Andererseits kennen natürlich auch viele Zeitungsleser in der Provinz die Figur und verfolgen „ihr Idol“ am Bildschirm. Ebenso verhält es sich mit den Winterdorf-Parties: Immerhin bewegt dieses „Event“ jeden Herbst etliche tausend Leute in Stadt und Landkreis. Im besten Fall sind beides Gechichten, die die Leser interessieren: „Hast du die Story über … schon gelesen?“ ist doch das liebste Kompliment, das wir Zeitungmacher hören wollen.

Ich schließe daraus: Redakteure dürfen die Zeitung nicht nach ihrem Geschmack machen. Vielmehr müssen sie Themen wählen, die ihre Leser interessieren, sonst schauen die sich bald in anderen Produkten nach „ihren“ Geschichten um. Wenn wir solche Themen aufgreifen, heißt das ja nicht, dass wir es kritiklos tun müssen. Vielmehr steckt da auch eine Chance drin: Wir könnten (und sollten!) recherchieren, wie solche Mechanismen funktionieren, was unsere Leser antreibt. Aber das ist anstregend und zeitaufwendig.

From → Arbeiten

Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: