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Die Suche nach dem Eichelversteck

15. Januar 2013

In meiner losen Serie „Philosophie für den Alltag“ beschäftige ich mich heute mit einem generationenübergreifenden Problem:  Was soll ich bloß tun? Lautet die Frage, die Teenager ebenso beschäftigt wie ältere Damen und Herren:

  • die 17-Jährige, die keine Idee hat, was sie studieren sollte
  • der 56-Jährige, der seit Jahren völlig frustriert an seinem Arbeitsplatz ist
  • die 35-Jährige, die dem untreuen Ehemann immer wieder verzeiht

Es gibt genug Beispiele für Menschen, die mit ihrer momentanen Situation todunglücklich sind, aber keine Veränderung schaffen. Sie belästigen Freunde, Kollegen und Familie mit ihren permanenten Klagen über ihr Elend. Häufig hört man von ihnen „Ich weiß ja nicht, was ich tun soll!“  Wer nachfragt „Warum denn nicht?“ bekommt jede Menge Argumente geliefert, warum etwas nicht klappen könnte oder wieso gerade jetzt eine Veränderung unmöglich sei. Solche Diskussionen erinnern mich stets ein wenig an diesen Blog-Eintrag: http://nobbi-line.posterous.com/es-wird-schon-klappen .

Doch die zugrunde liegende Geisteshaltung ist noch schlimmer als Pessimismus: Vor lauter Angst tut man überhaupt nichts. Pessimisten rechnen wenigstens mit dem Scheitern, die Entscheidungsverweigerer dagegen wollen nicht einmal das. Sie stehen vor einer vermeintlich unüberschaubaren Zahl von Möglichkeiten. Statt sich eine passende herauszusuchen, treiben sie ziellos umher und verweigern die Lösung:  Alles endet mit hätte, könnte, müsste … Das erinnert mich  an Scrat, das Eichhörnchen aus den Ice Age-Filmen:  Das Viech reibt sich auf bei der Suche nach dem idealen Versteck für seine Eichel, stets getrieben von der vagen Vorstellung, woanders könnte es besser sein.

Die Entscheidungsverweigerer sind also Opfer ihrer Verstrickung in die Vielfalt der Optionen. Dabei wäre es doch so simpel: Statt angesichts dieser Vielfalt zu verzweifeln, könnte man sich freudig darauf einlassen. Dieses dicht gewebte Netz der Möglichkeiten stellt gleichzeitig eine große Chance dar: Wenn sich eine Option als unpassend entpuppt, schwenken wir um auf eine andere.

Entscheidungen werden häufig deshalb vermieden, weil man sie für dauerhaft hält. Das ist völlig irrational. Man muss nicht „B“ sagen, nur weil man „A“ gesagt hat. Man kann auch einsehen, dass „A“ falsch war.  Und das führt mich zu dieser Schlussfolgerung: Jede Entscheidung ist besser als keine Entscheidung!

From → Vermischtes

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