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Lieber kein Multitasking beim Essen

11. Juli 2013

Warum naschen wir beim Fernsehen so gerne Salzgebäck oder Chips? Eine erstaunliche Antwort auf diese Frage geben die Forscherinnen Reine van der Wal von der Universität Nijmegen und Lotte van Dillen von der Universität Leiden in der Zeitschrift Psychological Science ( doi: 10.1177/0956797612471953).

Offensichtlich passen Essen und andere Beschäftigungen nicht zusammen. Wenn man sich nämlich während des Essens auf eine schwierige Aufgabe konzentriert, leidet der Geschmackssinn –Aromen erscheinen flacher und weniger intensiv. Um das auszugleichen, isst man automatisch mehr. Fernsehen oder Lesen beim Essen könnte daher Übergewicht fördern, so die Forscherinnen in „Psychological Science“.

Van der Wal und van Dillen testeten knapp 100 Studenten. Sie setzten den Probanden jeweils zwei verschiedene Konzentrationen von Zitronensaft (sauer) oder Grenadinesirup (süß) vor oder ließen sie Cracker mit und ohne gesalzene Butter naschen. Gleichzeitig sollten sich die Studenten eine siebenstellige Zahlenkombination oder eine einzelne Ziffer merken. Anschließend sollten sie auf einer Skala von eins bis sieben bewerten, wie süß, salzig oder sauer ihnen die Probe erschien.
Ergebnis der Testreihe: Beschäftigten sich die Studenten mit der komplizierten Zahl, bewerteten sie den Geschmack als weniger intensiv, und zwar bei allen drei Geschmacksrichtungen. Der Effekt war zwar nicht groß (die größten Unterschiede lagen nicht einmal 1,5 Punkte auseinander). Er sei jedoch statistisch signifikant, betonen die Wissenschaftlerinnen. Während des Essens etwas Anspruchsvolles zu erledigen, gehe klar zu Lasten des Geschmackssinns.
Dieser dämpfende Effekt hat noch weitere Auswirkungen: Knabberten die Testpersonen bei der leichten Aufgabe rund 45 Prozent der Kekse mit Salzbutter, stieg deren Anzahl bei der schweren Aufgabe auf rund 60 Prozent. Ohne den salzigen Aufstrich gab es keinen Unterschied zwischen den Aufgaben. Die Forscherinnen schließen daraus, dass Menschen unbewusst den durch die Ablenkung gedämpften Salzgeschmack kompensieren – indem sie mehr Salziges essen.
Ein ähnliches Ergebnis zeigte der weitere Test, bei dem die Probanden sich eine Grenadine-Wasser-Mischung nach Belieben zusammenstellen sollten. Wer sich stark auf den Gedächtnistest konzentrieren musste, gab mehr süßen Sirup in sein Getränk als bei der leichten Aufgabe – obwohl die Bewertung der Drinks anschließend genau gleich ausfiel.

Die Forscherinnen machen dafür das Dilemma verantwortlich, das der Mehrzahl der Multitasking-Probleme zugrunde liegt: Das Gehirn hat nur eine begrenzte Aufmerksamkeits-Kapazität. Wird diese auf mehrere Aufgaben verteilt, bleibt für jede einzelne weniger übrig. Die Forscherinnen sehen ihre Arbeit in engem Zusammenhang mit der Tatsache, dass immer mehr Menschen übergewichtig sind. Es könnte sich daher nach ihrer Ansicht lohnen, bei Programmen gegen das Übergewicht auch die Umstände zu prüfen, unter denen die Mahlzeiten eingenommen werden – und Multitasking beim Essen möglichst abzustellen.

From → Vermischtes

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